Jammerkultur in Führungsetagen: Wenn täglich gesudert wird, statt Probleme zu lösen
Veröffentlicht am 02.11.2026 von Walter Seidenader
Eine Jammerkultur entsteht nicht durch einen einzelnen schlechten Tag, sondern dadurch, dass Führungskräfte das Klagen täglich vorleben und niemand widerspricht. Genau das beobachtete ich bei drei Führungskräften aus Finanzleitung, Buchhaltung und Controlling: fachlich überfordert, aber überzeugt davon, die Besten zu sein.
Die Geschichte: Eine Stunde Jammern, jeden Tag
Beinahe täglich wurde in dieser Runde eine Stunde lang lautstark gesudert. Über die Geschäftsführung, über Kollegen, über angeblich schlechte Zustände und darüber, dass man für nichts Zeit hätte. Die Mitarbeiter bekamen alles mit, denn Türen und Ohren sind in Unternehmen selten dicht.
Fürs Jammern war Zeit. Für Lösungen offenbar nicht.
Die Rechnung dahinter
Eine Stunde täglich klingt zunächst überschaubar. Hochgerechnet auf drei Personen und ein Arbeitsjahr ergeben sich daraus rechnerisch 660 Personenstunden im Jahr, die nicht in Lösungen, sondern in Beschwerden investiert wurden.
Doch das Schlimmste an dieser Geschichte war nicht die verlorene Zeit. Es war die Kultur, die dadurch entstand.
Warum Jammern ansteckt
Jammern verhält sich wie Eigeninitiative: Beides steckt an. Der Unterschied liegt darin, was Führungskräfte täglich vorleben. Was oben gelebt wird, wird irgendwann zur Normalität im gesamten Team.
Wenn Führungskräfte regelmäßig über Umstände klagen, ohne selbst aktiv zu werden, lernen Mitarbeiter zwei Dinge gleichzeitig:
- Klagen ist akzeptiert und sogar üblich.
- Verantwortung übernehmen lohnt sich offenbar nicht, sonst würden es die Führungskräfte selbst tun.
Solche Erfahrungen waren einer der Gründe, warum LEVADIS gegründet wurde: aus der Überzeugung, dass Unternehmen nicht noch mehr Menschen brauchen, die Probleme beschreiben, sondern Menschen, die Verantwortung übernehmen und etwas verändern wollen.
Kritik ja, Jammern nein: der entscheidende Unterschied
Eine Jammerkultur verschwindet nicht von alleine. Man darf sie nicht tolerieren. Das bedeutet jedoch nicht, Kritik zu unterdrücken, ganz im Gegenteil: Probleme müssen offen angesprochen werden können.
Entscheidend ist, was danach passiert. Auf jede offene Kritik sollten diese vier Fragen folgen:
- Was genau funktioniert nicht?
- Was können wir selbst verändern?
- Wer übernimmt Verantwortung?
- Was setzen wir konkret bis wann um?
Ohne diese Fragen bleibt Kritik Beschwerde. Mit ihnen wird sie zum Ausgangspunkt für Veränderung.
Was Führungskräfte stattdessen vorleben sollten
Führungskräfte prägen durch ihr tägliches Verhalten, welche Reaktion auf Probleme im Unternehmen zur Norm wird. Drei Haltungen machen dabei den Unterschied:
- Nicht Schuldige suchen, sondern Ursachen beseitigen.
- Nicht Ausreden sammeln, sondern Lösungen entwickeln.
- Nicht auf Veränderung warten, sondern Veränderung ermöglichen.
Diese drei Punkte lassen sich nicht per Anweisung einführen. Sie müssen von Führungskräften vorgelebt werden, täglich, auch dann, wenn es unbequem ist.
Vom Müssen zum Wollen
Genau darum geht es bei LEVADIS: vom Müssen zum Wollen. Mitarbeiter und Führungskräfte, die aus Überzeugung handeln, statt aus Pflichtgefühl, gestalten Veränderung aktiv mit, anstatt sie nur zu erdulden oder zu kommentieren.
In einer Jammerkultur verlieren am Ende alle: die Mitarbeiter, die ein Umfeld ohne Perspektive erleben, die Führungskräfte, die ihre eigene Glaubwürdigkeit verspielen, und das Unternehmen, das Energie verliert, die anderswo fehlt.
Der entscheidende Perspektivwechsel
Die zentrale Frage lautet nicht, ob in einem Unternehmen Probleme existieren. Probleme gibt es überall. Die zentrale Frage lautet, was mit diesen Problemen geschieht, sobald sie ausgesprochen sind.
Wird eine Stunde pro Tag genutzt, um Zustände zu beklagen, oder wird dieselbe Zeit genutzt, um konkrete Schritte zu definieren? Der Unterschied zwischen beiden Varianten entscheidet langfristig über die Kultur eines gesamten Unternehmens.
Wollen wir das wirklich, eine Kultur, in der Jammern zur täglichen Routine gehört? Oder beginnen wir endlich, unsere Energie in Lösungen statt in Beschwerden zu investieren?
Häufige Fragen
Was ist eine Jammerkultur im Unternehmen?
Eine Jammerkultur entsteht, wenn Beschwerden und Klagen zur täglichen Routine werden, ohne dass daraus konkrete Lösungsschritte folgen. Besonders wirksam wird sie, wenn Führungskräfte dieses Verhalten vorleben.
Warum ist Jammern so ansteckend?
Verhalten von Führungskräften überträgt sich auf Teams. Wird täglich geklagt statt gehandelt, lernen Mitarbeiter, dass Beschwerden akzeptiert sind und Eigeninitiative sich kaum lohnt.
Ist offene Kritik dasselbe wie Jammern?
Nein. Kritik benennt ein Problem und mündet in konkrete Fragen wie: Was funktioniert nicht, was können wir ändern, wer übernimmt Verantwortung und bis wann wird gehandelt. Jammern bleibt bei der Beschreibung stehen.
Wie viel Zeit kostet tägliches Jammern konkret?
Bereits eine Stunde Jammern pro Person und Tag summiert sich bei drei Führungskräften rechnerisch auf 660 Personenstunden im Jahr, die nicht für Lösungen genutzt werden.
Wie lässt sich eine Jammerkultur verändern?
Indem Führungskräfte Kritik zulassen, aber konsequent nach Ursachen, Verantwortung und konkreten Umsetzungsschritten fragen, statt beim Beschweren stehen zu bleiben.